Freitag, 20. März 2009

"Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne..." Hermann Hesse "Stufen"

Ihr lieben Menschen,

jetzt bin ich schon wieder eine Woche hier in Deutschland. Und es ist komisch hier zu sein. Aber dennoch nicht so komisch, wie ich es erwartet hätte.
In meiner letzten Woche in England war ich sehr beschäftigt mit meiner Arbeit. Es gab viel zu tun und es war an der Zeit mich nach und nach von Menschen zu verabschieden.
An meinem letzten Sonntag wurde ich von unserem Pastor nach vorne gebeten. Und eigentlich hat er nicht viel gesagt, nur ein paar kurze und knappe Worte. Dann hat er meine Hand zwischen seine genommen und ein Gebet gesprochen. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben. Das hatte mir ja auch im September hier bei dem Abschied so viel bedeutet.
Ich hatte ja aber noch eine knappe Woche Arbeit vor mir. Uns so genoss ich die letzten Tage und die Arbeit mit den Kindern. Das Lachen, das Schreien, das Reden, die Ungezwungenheit... es war wunderschön zwischen all den Kindern zu stehen, während sie um einen herum rennen und die meisten fröhlich sind. Es erfüllte einfach unheimlich mein Herz. Schließlich haben sie sich aber doch wieder daneben benommen und ich musste laut werden... schreien hab ich hier gelernt. Nicht böse, aber manchmal brauchen das Kinder. :-)
An meinem letzten Abend war ein Essen geplant, was von einem unserer Clubs vorbereitet wurde. Das gesammelte Geld verwenden die Kinder für ihren Ausflug im Juni. Es war ein sehr beschäftigter Abend und ein anstrengender. Es gab zwei Durchgänge bei denen vor allem Unterstützer des Jugendprojektes kamen und die sich ehrenamtlich bei "Horbury Churches Together" engagieren. Nachdem die ersten ihren "Scottish Pie" verspeist hatten, wurde dem Küchenteam gedankt und Father John (ein Priester einer anderen anglikanischen Kirche) hat mir den ersten Teil des Geschenks überreicht. Er fand sehr liebe Worte und meinte unter anderem, er sei stolz auf mich und die Arbeit, die ich geleistet habe. Ich bekam eine "Youth Bible", also eine Bibel in einem recht leicht verständlichem englisch und eine Karte, auf der fast alle Kinder aus unseren Clubs unterschrieben haben. Ich äußerte ein paar kurze Sätze des Dankes und es ging weiter mit der Arbeit.
Beim zweiten Durchgang war auch John dabei. Von ihm wurde ich dann also noch einmal ganz offiziell verabschiedet. Nie zuvor hab ich ihn so liebe Worte sagen hören. Er meinte, dass, als ich gekommen wäre, ich eigentlich nur geredet hätte, wenn ich etwas gefragt wurde. Sonst war ich immer still. Deswegen wurde ich von ihm auch "Miss Silent" genannt. Mittlerweile würde ich auch von mir aus reden und beginnen, mich gegen seine Witze zu wehren... und er meinte, es sei ein Geschenk für das Jugendprojekt gewesen, dass ich gekommen bin. Noch ein paar mehr nette Worte. Ich musste fast weinen... schließlich bekam ich noch ein bisschen fair gehandelte Schokolade und sollte nun auch noch etwas sagen. Aber eigentlich fehlten mir einfach die Worte. Es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass es gut war, dass ich da war. Dass nicht nur ich bereichert wurde, sondern auch sie. Schließlich habe ich gesagt, dass es am Anfang sehr schwer für mich war in England. Ich war einsam und zählte die Tage und Wochen, bis es wieder nach Hause geht. Aber nach drei bis vier Monaten war es mehr als nur Durchhalten. Ich konnte die Zeit um einiges besser genießen. "Just thank you" für alles.
So ging der Abend dahin. Die Kinder wurden traurig. An diesem Abend habe ich wohl so viele Umarmungen bekommen, wie in den ganzen sechs Monaten nicht. Schließlich hieß es wirklich Abschied nehmen von der Gruppe Kindern, mit der ich am Liebsten gearbeitet habe. Zwei Mädchen weinten. Ein Junge fast. Ich hatte viele Kinder lange im Arm. Und auch Katherine wurde traurig. Und Laura. Und John. Und ich... aber die Zuversicht, dass ich sicher mal wieder zu Besuch komme, hat uns alle optimistisch gestimmt.
Man lernt so viel beim Loslassen und Abschied nehmen. Und doch ist es immer wieder hart.
Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von meinen Gasteltern. Ich hatte ihnen einen Dankesbrief geschrieben und einen erzgebirgischen Fensterstern mitgebracht.
Laura fuhr mich zum Flughafen und schließlich saß ich irgendwann im Flieger zurück in die "Heimat".
Im Flugzeug öffnete ich alle Briefumschläge mit Karten, die ich bekommen habe. Etwas sentimental wurde ich ja schon. Aber es war auch einfach sehr schön.
In Prag wurde ich von meinen Großeltern und David abgeholt. Mein Leben lief in diesen paar Tagen wie ein Film ab. Ich weiß immernoch nicht, ob ich bis jetzt realisiert habe, dass ich wieder hier bin und nicht so schnell zu den lieben Menschen nach England zurück kehren werde. Hier ist das Meiste so wie vorher. Warum auch nicht? Trotzdem hätte ich es anders erwartet. Plötzlich habe ich wieder alle Menschen um mich herum, die ich vermisst habe. Aber ich vermisse andere Menschen. Und die Arbeit. Und bestimmte Gewohnheiten.
Ich hab momentan lauter Dinge zu tun. Bewerbungen,Arzttermine einhalten, Leute sehen, ... ich spüre, wie gut es mir tut unter Gleichaltrigen zu sein. Trotzdem wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis ich hier wieder angekommen bin - mit meinem Herzen.
Ich danke allen, die mich auf ihre Art und Weise unterstützt haben. In Gebeten, mit Geld oder in Gedanken. Es hat mir immer Kraft gegeben. Ich find es kaum vorstellbar, dass die sechs Monate vorbei sind. Aber ich bin unendlich froh und dankbar, dass ich mich vor über einem Jahr für diesen Freiwilligendienst entschieden habe und immer wieder ein neues "Ja" für diese Arbeit gefunden habe. Aber ohne euch Unterstützer und ohne Gott hätte ich das denke ich, nicht so geschafft. Gott hat mich geführt. Das habe ich nie vorher in meinem Leben so erfahren.

Ich habe noch ein paar Bilder hochgeladen. Es ist nicht erlaubt, Photos von Kindern im Internet zu zeigen, also die Gesichter. Von daher ist es schwierig euch einen richtigen Einblick in meine Arbeit zu geben. Trotzdem hoffe ich, die Photos gefallen euch und ich bekommt einen kleinen Eindruck.

Arbeit und Umgebung von Horbury.
http://picasaweb.google.com/Cello.Sophia/HorburyArbeitUmgebung?feat=directlink

Ausflüge.
http://picasaweb.google.com/Cello.Sophia/AusflugeUrlaubeEindrucke?authkey=Gv1sRgCID05d7g3o2P_wE&feat=directlink

Das war jetzt sowas wie mein letzter Blogeintrag. Seltsames Gefühl. Trotzdem sind wir ja weiterhin in Kontakt oder mindestens im Herzen verbunden.

Danke! Und alles Gute und Gottes Segen für euch auf euren Wegen...

Eure Sophia

Sonntag, 1. März 2009

"Wenn du fröhlich bist, dann klatsche in die Hand..."

Ihr Lieben,

mittlerweile hat mein Endspurt begonnen. Wurde ich nicht gerade erst mit dem Segen in der Friedenskirche in die Welt entlassen? Haben wir nicht gerade erst zum Abschied geweint?
Die weitertickende Zeit ist nicht zu stoppen, aber das ist auch gut so. Bekanntlich hat "alles seine Zeit" wie es schon bei Kohelet steht.
Mir gelingt es momentan jedenfalls ziemlich gut im Augenblick zu leben und die Zeit zu genießen - es sind ja nur noch zwei Wochen hier in England.
In den letzten Wochen habe ich viel erlebt. Anfang Februar war ich zum Zwischenseminar vom IDJE in London. Dort waren wir sechs Freiwillige und zwei Leiter, die aus verschiedensten Orten in Europa kamen - Belfast, Blackpool, Verdun, Rom und Hamburg. Es war eine wundervolle Zeit mit tiefen Gesprächen und eine gute Möglichkeit sich über Erfahrungen auszutauschen. Gemeinsam haben wir festgestellt, wie interessant es ist, dass unsere Einsatzstellen und Aufgaben sind, doch wie ähnlich manche Probleme. Zum Beispiel fällt es allen von uns schwer, uns in der fremden Gesellschaft zu integrieren. Man trifft auf andere Ausländer im fremden Land, doch es ist eine riesen Hürde, intensive Kontakte zu Menschen des Landes aufzubauen und sich wirklich richtig zu integrieren. Es hat mir einen neuen Blick auf Ausländer in "meinem" Heimatland, in Deutschland gegeben.
Wir hatten jedenfalls eine sehr erfüllende gemeinsame Zeit und haben gemeinsam viel erlebt und London entdeckt.

Chris, Robin, Jule, Hannes, Alex und ich vor der Tower Bridge.

Hyde Park.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich eine Woche gearbeitet und dann kam mich auch schon David besuchen und ich hatte über eine Woche Urlaub. Wir haben gemeinsam viel erlebt, sind herum gereist und haben Ausflüge gemacht. Zum Beispiel sind wir auf einen "Berg" gewandert, erlebten ein Fußballspiel, machten die Straßen von Leeds, York und anderen Städt(chen) unsicher und verbrachten ein Wochenende an der Küste. An diesem Wochenende hatten wir herrliches Frühlingswetter. Familien haben mit ihren Kindern am Strand gespielt, man konnte die Jacke ausziehen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und die Seele baumeln lassen.
Die englische Landschaft fasziniert mich sehr. Sie ist so vielfältig. Das heißt nicht, dass es die deutsche nicht wäre. Es ist einfach anders. Und das ist es ja, warum Menschen so gerne verreisen.

Wanderung durch die "Ilkley Moors".


Runswick Bay an der Ostküste.
Whitby.


Auch der Urlaub hat seine Zeit und deswegen bin ich seit Donnerstag wieder im Arbeitsalltag. Es gibt viel zu tun. Das macht mir Freude und erfüllt mein Herz.

Heute war ich das vorletzte Mal bei uns hier im Gottesdienst. Wie schon einmal geschrieben, sind die Gottesdienste hier schon sehr anders, als die, die ich von zu Hause kenne. Unser Gemeindepastor ist nur ungefähr alle zwei Wochen bei uns, die anderen zwei Wochen in der anderen Gemeinde im Nachbardorf. Wenn man also morgens in den Gottesdienst kommt und dieser wird von jemandem geleitet, den man nicht kennt, weiß man eigentlich nicht, was einen erwartet. Die Gottesdienstabläufe wechseln - mal steht das VaterUnser am Anfang, mal werden drei Lieder am Anfang gesungen (in England immer im Stehen), mal gibt es mehr eine Andacht, als eine Predigt, mal wird zweimal im Gottesdienst kurz und knapp gebetet, mal ausgiebig und mit Liturgie... zum Beten wird sich hier meistens übrigens hingesetzt.

Heute stand ein Taufgottesdienst an. Unseren Pastor schätze ich sehr aufgrund seiner kraftvollen, freien und lockeren Art.

Er läuft gerne herum, wenn er eine Geschichte zum Eingang erzählt.Heute ging es um Noahs Arche und Gottes Versprechen mit dem Regenbogen, was in diesem Teil vor allem für die Kinder anschaulich gemacht ist und zwar mit einer Power Point Präsentation. Leider ging die Power Point inmitten der Erzählung kaputt und es brach etwas Gelächter in der Gemeinde aus. Menschen fingen an sich zu unterhalten, während andere versuchten, die Technik wieder auf Vordermann zu bekommen. Es war für mich wie eine Unterbrechung mitten im Gottesdienst. Es dauerte vielleicht fünf Minuten ehe wir dann doch erstmal ein Lied sangen. während der Computer neugestartet wurde und die Gemeinde sich wieder etwas beruhigte.
Schließlich kam es dann irgendwann zu dem Punkt, an dem die Taufe des Kindes begann. Die Antworten "Ja, mit Gottes Hilfe" waren kaum zu hören, da die Eltern so schnell und leise sprachen. Schließlich nahm unser Pastor das Kind auf den Arm, welches übrigens die ganze Zeit während der Taufe geschlafen hat, und segnete es mit dem Taufwasser. Er unterbrach die Worte:"Ich taufe dich auf den Namen Gottes, des Vater,..." mit der Anmerkung zu einer Frau:"Könnten Sie bitte etwas zur Seite treten, die Kinder sehen ja gar nichts."... Das schlafende Kind war also getauft. Für mich schien das alles völliges Chaos zu sein, kaum abgesprochen mit den Eltern. Das Wasser an seinen Händen spritzte er auf die anderen Kinder mit einem Lachen und den Worten:"Ihr sollt auch gesegnet sein." Naja. Dennoch genieße ich es sehr, hier zum Gottesdienst zu gehen und mich von der unkomplizierten und unkonservativen Art anstecken zu lassen. Es ist nur manchmal sehr schwer, wirklich andächtig zu werden und innere Ruhe zu finden. Es ist aber nicht immer so. Der erste Teil des Gottesdienstes ist meistens sehr aufgeweckt, während zur Predigt dann aber eine ernsthafte Stimmung verbreitet wird und ein gewissenhafter Punkt gemacht wurde, wenn das Evangelium verkündet wird.
Manchmal wünschte ich mir, auch in Deutschland wäre manches etwas spontaner in den Gottesdiensten und es würde einfach mehr gelacht werden. Wir können doch eigentlich so froh sein, dass Gott in unseren Leben ist und uns bereichert. Stattdessen ärgert es einige, wenn mal etwas nicht funktioniert oder mal ein schnelles flottes Lied gesungen wird. Gerne fangen Menschen in der Gemeinde hier einfach an zu klatschen - warum auch nicht!? Kann man nur mit ernstem Gesicht ehrfürchtig sein?

Ich wünsche euch alles Gute.
Eure Sophia




Montag, 2. Februar 2009

"Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus!"

Liebe Freunde und Bekannte,

es hat geschneit hier in Horbury und auch sonst in den meisten Teilen des Landes. Es ist wundervoll, diese schöne Schneepracht zu sehen.
Es hat gestern Abend angefangen zu schneien und heute früh lagen dann so 10-15 cm Schnee. Ein Grund für England, dass das völlig Chaos ausbricht. Engländer sind nämlich nie auf Schnee vorbereitet, auch wenn es in den Nachrichten angesagt wird.

Heute morgen bin ich dann also aus dem Haus gegangen, um zur Horbury High School zu gehen. Weder hat jemand Schnee geschippt, noch wurde irgendwo Salz gestreut. Glatt war es durch den festgetrampelten Schnnee... aber ich bin eben so durchgestapft mit meinen Sommerschuhen. In London scheint auch alles zusammen gebrochen zu sein und die Busse fahren nicht mehr.
Auf dem Weg zur Schule habe ich Kinder im Schnee spielen gesehen und war schon etwas verwundert - mitten am Tag. Dass die Schule manchmal wegen so etwas geschlossen wird, hatte ich ja schon gehört. Dass es heute auch so ist, bei den 10 cm Schnee, ist mir dann aufgefallen, als ich vor den verschlossenen Türen der Schule stand. Das hieß dann also für mich, dass ich heute einen zusätzlichen Tag frei habe. Mal sehen, wie es morgen so aussieht. Aber ich könnte mir vorstellen, die Schulen bleiben wieder geschlossen, wenn es nochmal schneit.



Am Mittwoch fahre ich nach London und hoffe, der Bahnverkehr ist nicht auch lahm gelegt. Dort werde ich einen Teil der anderen Freiwilligen vom diesjährigen IDJE Jahrgang treffen. Ich freue mich sehr auf den Erfahrungsaustausch, die Gespräche und das Wiedersehen. Ich habe es schon beim Ausreiseseminar als bereichernd empfunden, Menschen zu treffen, die in der gleichen Situation stecken. Ich freue mich sehr drauf und hoffe, dass ich bis Sonnabend ein paar schöne Tage mit den anderen Freiwilligen habe.

Ansonsten ist das quasi mein Abschlussseminar und vorhin habe ich meinen Abschlussbericht für's IDJE geschrieben. Schon ein komisches Gefühl... der Abschiedsschmerz kommt so langsam, weil es doch Menschen gibt, die mir hier sehr ans Herz gewachsen sind.
Momentan höre ich gerade mein Lieblingslied von Paul Millns, schaue aus dem Fenster und beobachte die Schneeflocken, wie sie an meinem Fenster vorbei tanzen - es ist einfach schön.
Ich genieße die letzten Wochen hier in England sehr intensiv.

Gestern hatten wir einen Ausflug mit vielen Kindern zum Bowlingspielen. War ein halbes Chaos, aber auch sehr schön.
Ein Club von uns, der immer dienstags nach der Schule statt findet, plant im Juni ein Wochenende zum Wegfahren. Dafür beginnen wir fleißig Aktionen zu machen, bei denen wir Geld sammeln. Das ist sehr gut, denn so wird es Kindern aus Familien mit weniger Einkommen ermöglicht, an solchen Ausflügen teilzunehmen. Gestern gab es dafür einen "Coffee Morning". Dieser findet jeden Sonnabend in der methodistischen Kirche hier in Horbury statt, dieses Mal wurde er von uns vorbereitet und die vier Kids, die halfen, waren gut damit beschäftigt Kaffee zu servieren und Kekse zu verkaufen. Es war ein schönes Arbeiten und den Erlös nehmen wir oder das Jugendprojekt für den Ausflug im Juni. Es sind von dieser Art noch einige "Events" geplant. Zum Beispiel kochen wir an einem Abend und es wird ein großes Essen geben. Und eine Schuhputzaktion und eine Auto-wasch-Aktion. Und die ausgefallenste Idee der Kinder: Ein Tag Sklave sein für einen Lehrer... es ist schön zu sehen, wie sich die Kinder einsetzen, damit sie gemeinsam wegfahren können und etwas erleben können.



Und noch etwas Schönes habe ich zu berichten. Gestern wurde ich zum Essen von einer älteren Frau aus der Gemeinde eingeladen. Sie hat mich vorher öfters angerufen und gefragt, was ich denn essen möchte und was zum Nachtisch und ob ich dies und jenes mag und ob ich gern am Tisch sitze oder lieber irgendwo anders sitzen möchte. :-) Also richtig lieb. Am Abend davor hat sie mich noch gefragt, ob ich nicht noch einen Freund oder eine Freundin mitbringen möchte. Leider fiel mir niemand ein, den ich hätte fragen können. Und gestern war ich also da und hatte ein sehr schmackhaftes Mittagessen und ein schönes Gespräch mit dieser englischen Dame. Sie ist verwitwet, hat aber einen Teil ihrer Familie um die Ecke leben. Aber irgendwie tat sie mir ein bisschen leid... sie hatte sich wirklich so sehr gefreut, dass ich da war und hat mir so oft gesagt, dass es schön ist, dass ich gekommen bin. Dann haben wir ein paar Photos von ihren Kindern und Enkeln und Urenkeln angeschaut und irgendwann hat sie so sinngemäß gesagt:"Sie sind immer für mich da gewesen und haben mich mitgenommen. Ich war nie einfach nur die alte Oma. Sie haben sich immer richtig gut um mich gekümmert." Das war so ein zauberhafter Satz und das ist etwas, was ich mir für mein Leben wünsche und dann, wenn ich älter bin. Es waren ein paar schöne Stunden und ich habe Gott wirken gespürt.

Ich grüße euch also warmherzig aus dem schön verschneiten England. Ich bin zufrieden.

Eure Sophia


Freitag, 16. Januar 2009

"Wo genau wohnst du eigentlich?"

Liebe Freunde und Förderer,

ziemlich lange habe ich auf dieser Seite nichts von mir hören lassen. Mittlerweile ist viel passiert. Die meisten werden ja meinen Rundbrief vor Weihnachten bekommen haben, der ja speziell an meine Förderer gerichtet war. Ich wünsche euch allen ein gesundes und frohes neues Jahr mit vielen Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen, die eure Herzen berühren. Kraft und Ausdauer für Durststrecken im Leben und genug Geduld mit euch selbst, mit euren Mitmenschen und mit Gott. Ich wünsche euch, dass ihr mit ihm gehen könnt ihm neuen Jahr und dass er euch trägt.

Seit knapp zwei Wochen bin ich wieder zurück in England. In Deutschland hatte ich ein sehr schönes Weihnachtsfest mit meiner Familie und auch einen schöne Jahreswechsel zu Hause. Dass ich wieder ein paar Freunde getroffen habe, hat mir sehr viel Kraft gegeben und mir wieder neu gezeigt, dass ich hier nicht alleine bin. Die Tage zu Hause haben mir sehr gut getan und eigentlich war es schon ein bisschen "wie immer", als ich nach Hause gekommen bin. Auch die Gottesdienste, die ich in meiner Heimatgemeinde besucht habe, haben mir neu Kraft gegeben und die Leute haben mir mit lieben Worten und Gesprächen gezeigt, dass sie mich nicht vergessen haben. Schön war es! Nur leider hat es erst am richtig geschneit, als ich wieder das Land verlassen hatte. Ein bisschen konnte ich den Schnee aber dennoch genießen.



Hier sind alle etwas neidisch, wenn ich erzähle, dass wir Schnee hatten. Hier gibt es nämlich immernoch keinen und wird wohl auch keinen geben... und eigentlich herrscht hier zur Zeit ziemliches "Herbstwetter".

Meine Rückreise nach England war etwas chaotisch aufgrund verspäteter Züge und demnach auch verpasster Züge. Aber ich bin wohl behalten hier angekommen. Der Abschied von zu Hause war schon etwas schwer, aber ich bin auch gerne wieder zurück nach England gekommen. Ich genieße die Zeit hier, die Eigenarten der Engländer, die Städte und Landschaften.

Das Einfinden in den Alltag fiel mir nicht schwer und bin froh, dass es gut läuft. Man kann schon davon sprechen, dass ich jetzt "eingearbeitet" bin. Ab und zu werde ich immernoch von Kindern gefragt, ob ich denn nicht für immer hier bleiben könne... und mit einem "pleeeease" und einem Hundeblick musste ich dann schon manchmal etwas Schlucken. Aber ich denke, es ist gut, wieder nach Hause zu kommen. An Wochenenden weiß ich manchmal nicht so recht wohin mit mir. Zwar habe ich am Sonnabend wieder einen Ausflug vor mit Katherine, aber auch nur einen kleinen. Besser als nichts auf jeden Fall... ich kämpfe mich eben so durch. Und jede Einsatzstelle hat sicher ihre Vor- und Nachteile. Hier ist die Arbeit für mich wunderschön, aber man ist eben schon recht abgeschottet. Aber durch die schwierigste Phase habe ich mich durchgekämpft und jetzt kann ich die restlichen Wochen hier denke ich gut genießen.

Viele der Leute haben mich gefragt, wo ich denn nun genau wohne. Und dann habe ich meistens geantwortet:" Eigentlich genau in der Mitte von England". Und so ist es auch, aber ich dachte, es wäre vielleicht Zeit, euch ein bisschen was über die Gegend, in der ich wohne, zu erzählen.

Auf der Karte seht ihr Yorkshire hervor gehoben. Es ist die größte Grafschaft Englands und ist deshalb nochmal in vier Teile geteilt - Nord-, Süd- und West- Yorkshire und Humberside. Ich wohne also im West-Yorkshire. York, die "Hauptstadt" liegt in North-Yorkshire und ist eine der größten mittelalterlichen Städte in Europa. Ein paar Bilder habt ihr ja schon bei einem meiner früheren Blogeinträge gesehen. Das sehr bekannte Münster in York ist übrigens die größte gothische Kathedrale Nordeuropas.

Ziemlich bekannt ist Yorkshire für seine vielfältige Landschaft. Leider ist das Wetter nicht sonderlich schön, in der Zeit, in der ich hier war und bin, aber ich bin da nicht allzu kritisch. Im Westen liegen die sogenannten Yorkshire dales, in denen es recht gebirgig ist. Im Norden liegen die "North Moors", welches ein großer Nationalpark ist mit einer großen Moorlandschaft. Und es gibt viele berühmte Küstenorte, von denen ich ja auch schon berichtet hatte - zum Beispiel Whitby und Scarborough, die mit ihren felsigen Küstenlandschaften sehr beeindruckend sind. Wer schonmal den Film "Calender Girls" gesehen hat, weiß, wie schön die Landschaft hier ist bzw. bei schönem Wetter sein kann.
Außerdem ist Yorkshire vorallem geprägt von Textil- und Stahlindustrie.
Und natürlich darf man den Yorkshire-Terrier und den Yorkshire Pudding nicht vergessen, wenn man von dieser Gegend hier spricht. Sehr bekannt sind in England auch die Brassband aus Yorkshire... und der Yorkshire Dialekt. Manchmal erwische ich mich selbst, wie ich mir diesen schon teilweise angewöhnt habe.
Vielleicht konnte ich mit diesen paar Zeilen euch einen kleinen Überblick geben. Wenn David mich im Februar besuchen kommt, kommen wir auch mal ein bisschen mehr in die Landschaft North Yorkshires, darauf bin ich sehr gespannt.

Ansonsten geht es mir immernoch gut und darüber bin ich sehr froh. Es sind sage und schreibe nur noch acht Wochen, die ich hier sein werde und ich weiß nicht so recht, wie ich das finden soll.
Anfang Februar habe ich noch ein Seminar vom IDJE und fahre für eine halbe Woche nach London. Ich bin sehr gespannt auf den Austausch mit den anderen Freiwilligen aus Europa, die ja in Frankreich, Belfast, Rom und England verstreut sind.

Der Krieg im Gaza-Streifen beschäftigt mich hier auch sehr, selbst wenn ich nicht alles verstehe, was dort unten passiert. Ich informiere mich meistens bei der ARD, die meiner Meinung nach absolut gute Arbeit leistet mit ihren Nachrichten und ihrer Internetseite. Außerdem hat Erik Fritzsch, der übers IDJE nach Israel ausgereist ist, einen meiner Meinung nach sehr guten Artikel auf seinem Blog verfasst. Deswegen möchte ich hier nochmal darauf hinweisen: www.erikfritzsch.blogspot.com

Es ist schön hier und ich kann die Zeit hier mittlerweile ziemlich gut genießen. Danke an alle, die für mich beten und an mich denken und für mich da sind.

Ich grüße euch warmherzig. Eure Sophia


Ein Blick auf die Yorkshir Dales, auch wenn das Photo nicht von mir ist.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

"Jauchzet, frohlocket!"

Ihr Lieben,

etwas verspätet, aber schon länger vorgenommen, kommt jetzt auch mein Adventsgruß.
In meinem Zimmer sitzend, aus dem Fenster in die Ferne schauend, ein Räuchermännchen und eine Krippe auf dem Fensterbrett habend, Bachs Weihnachtsoratorium lautstark hörend, bereite ich mich anders als in den letzten Jahren in der Adventszeit auf Weihnachten vor.

Der Advent hier in England hier ist so anders, aber es ist eine gute Erfahrung, es zu erleben. Die Fußgängerzone in Wakefield ist ja schon seit Anfang Oktober dekoriert. Hier in Horbury auch schon seit Mitte November. Letzten Freitag wurden feierlich die Lichter um 18.30 Uhr angeschaltet... kitschig ist es und meiner Meinung nach teilweise alles noch kommerzieller als in Deutschland. Der christliche Hintergrund von Weihnachten scheint manchmal völlig unterzugehen, als sei er zweitrangig. Aber so ist es nicht und dessen werde ich mir immer wieder bewusst.
Die Wohnungen sind größtenteils bis jetzt recht spärlich geschmückt. Meine Gasteltern meinten, sie schmücken eigentlich kaum, seit die Kinder aus dem Haus sind... so verschieden ist das.
Am letzten Sonnabend war ich in Leeds. Dort gibt es einen deutschen Weihnachtsmarkt auf dem ich mir letztlich doch ein Räuchermännchen gekauft habe... mein Zimmer war so leer ohne. Sobald ich auch ein paar Räucherkerzchen habe, werde ich meinen Gasteltern zeigen, wie wir das so machen in Deutschland. Schwibbögen fehlen hier ja sowieso.




Die Adventszeit erlebe ich viel bewusster als in den letzten Jahren. Das hängt sicher einerseits damit zusammen, dass ich in einem anderen Land bin. Andererseits hatte ich in den letzten Jahren auch immer viel Schulstress um diese Zeit... aber schön ist es.
Und so mache ich Tag für Tag ein Türchen von meinen Adventskalendern auf, die ich von meinen Großeltern habe und einer sehr sehr guten Freundin. :-) Und ich freue mich auf Weihnachten in Deutschland, genieße aber auch die Erfahrung des Advents hier in England... es ist spannend, dies alles zu erleben und zu erfahren.

Mir geht es immer besser hier, auch wenn mir noch immer regelmäßiger und tiefgehender Kontakt zu Gleichaltrigen fehlt. Dennoch gibt es Momente, in denen ich mich vielen Dingen um mich herum recht erfüllt fühle , gerade jetzt in der Adventszeit.

Besonders, wenn ich Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium" höre. Mich berührt diese Musik so tief in meinem Herzen und bringt mich zur Nachdenken, zum Besinnen und zum Danken.

"Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage.
Rühme, was heute der Höchste getan.
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
stimmet voll Jauchzen und Fröhlichekit an:
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören
Lasst uns den Namen des Höchsten verehren"

Ein anderes Weihnachtslied welches ich noch sehr mag, könnt ihr euch hier anhören. Vorallem wie schön das Stück in Dur endet... Brilliant!

http://www.youtube.com/watch?v=i1J0fPcWv6k


Ich wünsche euch allen eine gesegnete und besinnliche Adventszeit und dass ihr euch bewusst auf Weihnachten vorbereiten könnt, neben all den vielen Dingen, die sicher zu erledigen sind.
Sicher gibt es immer mal ein paar Minuten Zeit, um zu verweilen und sich zu besinnen.

Ich grüße euch lieb aus dem kalten England ohne Schnee.
Eure Sophia

Mittwoch, 19. November 2008

"Meine Hoffnung und meine Freude... Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau' ich..."

Ihr lieben Menschen,

es ist schon wieder ein Monat vergangen seit meinem letzten Blogeintrag. Es ist unheimlich viel passiert, ich bin sehr beschäftigt und es ist einfach kaum zu glauben, wie schnell die Zeit doch vergeht. Das sind Gründe, weshalb ich so lange nicht geschrieben habe. Ich bin sehr beschäftigt. Manchmal habe ich mich auch einfach nicht danach gefühlt, etwas zu schreiben und konnte meine Gedanken und Gefühle in keine Ordnung bringen.

Ende Oktober bin ich nach Hause geflogen. Eine Woche vorher wollte ich nicht mal wirklich nach Hause. Ich wusste, dass mich das sicher aufwühlt und mich daran hindert, mich hier weiter einzuleben. Aber so zwei Tage vorher kam die Vorfreude auf Zuhause. Da Zuhause, wo die Menschen auf mich warten, die mich lieben.
Am Flughafen in Prag wurde ich dort sehr warmherzig von meinen Großeltern aus Aue empfangen, die mich nach Chemnitz gebracht haben. Auf der Fahrt, begann es zu schneien und wir sind durch einen wundervollen Märchenwald gefahren. Ich war innerlich so glücklich... es war dieses Gefühl von Nach-Hause kommen, von geborgen sein. Zuhause wurde ich auch von Jonathan und meinen Eltern sehr freudig empfangen. Es war wie Weihnachten. Ich begann auch gleich zu schwitzen in unserer warmen Küche. Hier ist es nämlich mittlerweile auch sehr sehr kalt geworden. Am Donnerstag kam dann David, es war ein wundervolles Wiedersehen worauf wir so lange hingefiebert hatten.
Eigentlich wollte ich zur Silberhochzeit erst zur eigentlichen Fete dazu stoßen und die Andacht auslassen. Die fand nämlich in unserer Kirche statt und ich wollte weder viele Menschen aus unserer Gemeinde sehen noch dort sein... ich hatte solche Angst vorm Heimweh. Aus verschiedenen Gründen bin ich dann doch hingegangen... Und dann haben die Bläser das Präludium gespielt und mir stiegen schon gleich Tränen in die Augen. Und das auch fast für die restliche Andacht. Es war schön, aber es gab einen Moment, in dem ich gedacht habe:"Ich will nicht zurück nach England." Ich bin aber so froh, dass dieser auch wirklich schnell wieder verschwunden ist. Die Feier an sich war auch toll. Zum Spaß haben, zum Träumen, zum Nachdenklich-Werden, zum Lachen und zum Weinen. Für mich jedenfalls. Ich habe es sehr genossen. Auch die zwei folgenden Tage in Chemnitz, die ich noch hatte.

Am Montagmorgen ging es dann auch schon wieder zurück Richtung England zusammen mit meinen Eltern. Wir sind mit dem Auto gefahren, haben dann von Rotterdamm die Fähre nach Hull genommen. Dort hatten wir eine Fahrt über Nacht und als ich wirklich müde war, ließ ich mich von den sanften Wellen des Meeres in den Schlaf wiegen.
Behütet sind wir am Dienstagmorgen angekommen.
Ich zeigte meinen lieben Eltern auch noch Horbury am selben Vormittag, das dauert ja nicht allzu lange und auch nachmittags unternahmen wir etwas Kleines. Am Mittwoch bin ich arbeiten gegangen und habe mich wirklich schnell wieder in meinen Alltag eingefunden. Jedenfalls hatte ich gleich das Gefühl.
Am Donnerstag hatten wir uns vorgenommen nach Scarborough und Whitby zu fahren. Das sind zwei wunderschöne Städte an der Ostküste. Leider war das Wetter gar nicht wunderschön, aber ich habe es trotzdem so sehr genossen. In der Gegend, die ich noch nicht kannte, aber trotzdem mit jemandem Vertrauten das zu erkunden. Und manchmal sagte dann einer von uns:"...wie früher..." Fast jedenfalls... ein bisschen. Aber wir waren innerlich glaube ich alle damit beschäftigt, dass die Zeiten sich jetzt einfach ändern. Dieser Tag war so ein wundervolles Geschenk.








Auch der Tag danach, als wir nach York gefahren sind. Dort waren wir im Minster, bummeln, Café trinken... Ich habe die Anwesenheit meiner Eltern und gemeinsames Erleben selten so bewusst genossen. Nicht, dass ich sie nicht genossen hätte, aber ich meine wirklich bewusst.



Und am Sonnabend sind die Beiden wieder abgereist. Und dann bin ich wirklich in ein Loch gefallen, obwohl ich das gar nicht mehr gedacht hätte.
Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich mich daran "gewöhnt", dass all die Menschen und Dinge fehlen, die ich vermisse. Und plötzlich, in Deutschland, hatte ich alles wieder... und dann war alles wieder weg. Fast mit einem Schlag. Und ich denke, da versteht jeder ungefähr, wie es mir ging. Aber Dank meiner Freunde, ging es mir auch schnell wieder gut... oder eher normal.
Ich sehne mich nach Menschen, mit denen ich hier tiefgehender Gespräche führen kann. Ich suche und ich war erst selten davor, aufzugeben. Letztens wurde mir erzählt, im Nachbardorf gäbe es seit Neustem in der methodistischen Kirche einen Jugendkreis. Ich wusste, dass es mehr so Freizetbeschäftigung für Jugendliche ist, aber ich habe einfach gehofft, dass ich dort jemanden treffe, mit dem ich mich auf einer Wellenlänge fühle. Aber es stellte sich heraus, dass es zwar mehr so rumhängen ist, aber vorallem für Jugendliche, die sonst mehr auf der Straße rumhängen, wenn nicht Zuhause. Teilweise wirklich verzogen, aggressiv, nicht die beste Bildung-habend. Das hat mir wieder einen Schlag nach hinten gegeben. Aber manchmal staune ich selbst, wie sehr ich doch darauf vertraue, dass sich noch etwas diesbezüglich ändert. Manchmal fühle ich mich einfach so schrecklich einsam und weiß nicht, wo ich hingehen kann. Aber dann schenkt mir Gott einen Moment - ein strahlendes Gesicht, einen schönen Himmel, ein gutes Wort von jemandem -der mir auf hilft. Ich kann die Zeit hier schon besser genießen und das hängt glaube ich wirklich sehr damit zusammen, dass ich hoffe und vertraue. Ich habe das Gefühl, Gott hört gar nicht auf mich in Geduld zu üben und letztens habe ich in einem Moment gedacht:"Es reicht! Hör auf! Lass mich glücklich sein!". Und auch da hat er mir Menschen zum Reden gegeben... auch wenn nicht hier in England.
Manchmal bin ich so unendlich einsam. Aber ich weiß, dass es nicht an dem Land hier liegt. Es ist toll und die Menschen, mit denen ich zu tun habe, geben ihr Bestes, dass ich mich hier wohlfühle.
Ich habe in den letzten Tagen festgestellt, dass die Arbeit einfach die richtige für mich ist. Ich genieße es. Abends komme ich manchmal nach Hause und habe noch laute Kinderstimmen im Kopf und bin einfach nur müde, aber es macht mir Freude und erfüllt mich. Und ich habe das Gefühl, etwas getan zu haben.
Gestern haben die ersten Kinder bewusst festgestellt, dass ich nicht ewig hier bleibe. Daraufhin meinte ein 15-Jähriger:"Aber warum?". Ich antwortete spontan:"Weil ich nach Hause will". Ich hätte mir eigentlich denken können, dass er dann fragt, ob es mir denn hier nicht gefalle. Ich meinte, dass zu Hause meine Freunde und meine Familie wartet, dass ich wieder komme woraufhin er erwiderte:"Am I not your friend?"-"Bin ich nicht dein Freund?". Ich hab gelächelt, geseufzt und schließlich wieder gelächelt und gesagt, das sei nicht fair.
Ich spüre immermehr, wie die Kinder und Teenager mich annehmen und dass ich hier gebraucht werde. Laura kommt jetzt zu anderen Dingen und es geht einen Schritt nach vorne mit diesem Jugendprojekt. Und das ist wirklich ein schönes Gefühl - gebraucht zu werden und zu wissen, dass man sich einbringen kann.
Also liebe Freunde, Familie und Interessierten. Im Allgemeinen geht es mir hier gut, auch wenn ich mich sehr schnell von Kleinigkeiten (die vielleicht manchmal wirklich nicht klein sind) aus der Bahn werfen lasse.



Seid alle von Herzen gegrüßt, ob in Frankreich, Rom, Südafrika, Belfast, Israel oder Deutschland. Irgendwie sind wir doch alle verbunden... nicht nur "irgendwie".
Ich wünsche euch, dass ihr das Gefühl von Geborgenheit habt und das Gefühl habt, euch mit euren Fähigkeiten einbringen zu können.
Ich versuche, wieder regelmäßiger zu schreiben, um euch an meinem Weg hier in England teilhaben zu lassen.

Eure Sophia

Sonntag, 19. Oktober 2008

"...Chaos der Gefühle, völlig verwirrt..."

Liebe Familie, liebe Freunde und Bekannte,

mein letzter Blogeintrag ist nun schon wieder eine Weile her. Ich habe in der Zwischenzeit so einiges erlebt. Für manche schöne Erlebnisse fehlen die Worte... und auch für manche ermüdenten Gefühle. Ich werde versuchen einen kleine Einblick in meine letzten Tage zu geben.

Ich arbeite so vor mich hin und finde mich immer mehr ein hier. Das ist ein schönes Gefühl und die Zeit verrennt. Ich bin also ziemlich froh, dass mir die Arbeit Freude macht. Manchmal komme ich abends nach Hause und hab noch das laute Kindergeschrei in meinem Kopf und bin einfach nur geschafft. Aber diese Auslastung brauche ich. Und ich habe bis jetzt (!) kein Problem damit, laute Kinder und Teenager um mich herum zu haben... es macht mir sogar Freude. In diesem Bezug geht es mir also gut. Auch wenn ich mich im Musikunterricht als "Helferin" doch meistens überflüssig fühle... ich denke aber, in der Hinsicht ändern wir bald was in meinem Arbeitsplan.

Sonntags ist bei meinen Gasteltern immer Essen mit Tochter und deren Familie. Tony & Pat, meine Gasteltern, haben drei Enkelkinder. Letzten Sonntag haben wir nachmittags einen Ausflug in den "National Sculpture Park" gemacht. Es war wundervolles Herbstwetter. Die Skulpturen waren zwar teilweise wirklich nicht meinem Geschmack entsprechend, aber der Park ist einfach so wundervoll. Interessante Bäume und andere Pflanzen... Ich habe es genossen durch das Laub zu rascheln, was ja sonst meistens recht feucht ist hier. Es war wirklich ein wunderschöner Nachmittag.




Mittlerweile kenne ich übrigens Katherine über die Arbeit. Sie ist eigentlich die Einzige in meinem Alter, von den Kirchen in Horbury. Und sie ist auch nur hier, weil sie zwischen York, wo sie studiert, und Horbury hin- und herpendelt. Ich hatte ein Gespräch mit Father Brian und ich sagte, dass mir das schon zu schaffen mache, dass es hier so schwer ist, Kontakt zu knüpfen. Er wusste auch nicht so richtig eine Antwort, außer dass ich vielleicht etwas mit Katherine unternehmen könnte. Kinder gibt es auch in der St. Peters Church...bis 14... dann ist eine sehr große Lücke und die nächstjüngeren sind dann 40 aufwärts. Alle anderen sind scheinbar weg...studieren, arbeiten.
Gestern hatte ich aber einen wunderschönen Tag mit Katherine und der deutschen Au-Pair, die ich endlich mal getroffen haben. Sie ist auch wirklich nett. Wir sind nach York gefahren. Allen, denen ich das vorher erzählt habe, haben von dieser Stadt gewschwärmt. Und ich muss bestätigen, dass diese Stadt wirklich schön ist. Das Minster, die kleinen Gassen, die alten Geschäfte und Häuser... das ist einfach wirklich eine Innenstadt mit Stil. Auch der Park ist wunderschön... und tollerweise hatten wir auch gestern tagsüber tolles Wetter. In das Minster konnten wir leider nicht, weil die einen Gottesdienst hatten, der irgendwie von vormittags bis nachmittags andauerte, also mehrere Stunden. Schade, aber das ist EIN Grund, wieder dahin zu fahren. In dieser Stadt kann man auch viel Geld lassen, weil hier in England einfach alles recht teuer ist. Vorallem in solchen berühmten Städten wie York. Ich habe mir nichts weiter gegönnt außer eine tolle Fahrt mit dem Riesenrad von dem man einen wirklich schönen Blick hatte. Und das war teuer...aber schön. Es wird also nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort war. Und ich hoffe, ich treffe mich jetzt öfters mit Katherine (die ich ja sowieso öfters sehe, weil sie in dem Jugendprojekt involviert ist) und Tatjana (der deutschen Au-Pair) und lerne vielleicht noch mehr Menschen kennen. Im Gegensatz zu Wakefield ist York wirklich eine Perle...
Eine lange Mauer auf der man um die Innenstadt spazieren kann.
Eine Ruine im Park...

Das York Minster.

Katherine und Tatjana... und ich.

Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich trotzdem sehr einsam gefühlt. Irgendwie war auch niemand so richtig da, mit dem ich reden konnte... nur ein bisschen. Ich habe mich einfach so leer gefühlt. Seit langem war auch geplant, dass ich abends zu einem Konzert mit Barockmusik gehe. Bin ich auch... alleine. Aber es war ein schönes Konzert, klein aber fein. Ein kleines Ensemble mit Musik von Vivaldi, Lully, Händel und anderen Komponisten. Es ist sehr lange her, dass ich klassische Musik live gehört habe... und ich habe es sehr genossen. Die Musik mit geschlossenen Augen auf mich wirken lassen, nachgedacht, abgeschaltet. Vielleicht wär es schöner gewesen mit einem Freund oder einer Freundin neben mir... aber es war auch so wundervoll.
Nachdem ich Zuhause war, bin ich relativ zeitig ins Bett gegangen... ich wollte einfach versuchen, meine Gedanken und Leerheit wegzuschlafen.
Dankbarerweise habe ich gestern noch eine Nachricht von einer aus unsere Gemeinde bekommen, in der nebenbei erwähnt wurde, dass heute ein Rundfunkgottesdienst aus der Friedenskirche gesendet wird. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dank der Zeitverschiebung konnte ich den Gottesdienst komplett anhören per Live-Stream. Und es trieb mir Tränen in die Augen. Gleich am Anfang, als bei den Begrüßungsworten noch gesagt wurde:"...besonders grüßen wir die Gemeindeglieder, die zu Zeit in Angola und England arbeiten." Und danach ertönte auch schon "Mein Mund besinge tausendfach..." Vielleicht bedarf das gar nicht so viel mehr Worten, dass mir das wirklich tief ins Herz ging... aber es war auch ein schönes Gefühl. Neulich habe ich ein paar Verse aus dem Psalm 34 für mich entdeckt... er hat einfach meine Situation angesprochen. Und wovon hat der Gottesdienst heute gehandelt? Vom Psalm 34... ein Geschenk des Himmels? Das hatte ich letztens schon erlebt, als ich einsam war und das Gefühl hatte, niemand ist für mich wirklich da... und da gab es doch Einen, den ich noch gar nicht so lange kenne und wir haben lange telephoniert bis in die Nacht. Und es ging mir besser. Und David ging es besser, weil es mir besser ging... Es ist schwer manchmal schwer zu begreifen, dass Gott da ist... aber ich begreife, dass er mir immer wieder Geschenke und Engel schickt... manchmal in Menschenform.
Es hat mich so berührt, als ich die Leute vor mir gesehen habe, die beim Rundfunkgottesdienst mitwirken und aufgeregt sind... es hat mich berührt, wie der Posaunenchor gespielt hat und der Chor gesungen... die Predigt war schön und es war schön, das VaterUnser mal wieder auf deutsch zu hören. Seit gestern habe Heimweh... da ist mehr gemeint, als Sehnsucht nach diversen Menschen und unserer Wohnung am Zeisigwald. Ich denke, ich meine vorallem die Gemeinde in der Friedenskirche... wenn ich dort hin komme, habe ich das Gefühl "Nach Hause" zu kommen. Und auch, wenn es diesbezüglich nie wieder so sein wird, wie früher, weil ich sicher später auch wegziehe, ist mir bewusst geworden, wie dankbar ich bin. Für das Gefühl von Geborgenheit, was ich dort so oft bekommen habe... das alles schließt aber ein, dass ich dennoch David vermisse und meine Familie und alles, was mir einfach vertraut ist... Aber ich bin froh, dass so viele Menschen an mich denken...

"Ich wandte mich an den HERRN und er antwortete mir;
er befreite mich von allen meinen Ängsten.
Wenn ihr zum HERRN blickt, dann leuchtet euer Gesicht,
euer Vertrauen wird nicht enttäuscht.
Hier steht einer, der um Hilfe rief.
Der HERR hat ihn gehört
und ihn aus jeder Bedrängnis gerettet.
Alle, die dem HERRN gehorchen, umgibt sein Engel mit mächtigem Schutz
und bringt sie in Sicherheit." Auszüge aus Psalm 34

Ich bin zwar oft traurig und mir geht es nicht so gut, aber es gibt immerwieder Momente, in denen ich spüre, dass ich gehalten werde und in Gottes liebenden Armen bin. Und deswegen habe ich wieder Mut geschöpft.
Ich danke allen, die an mich denken.

Seid warmherzig gegrüßt, Eure Sophia